Seite wählen

« 18. Dezember »

Doch nicht allein

Am nächsten Morgen beim Aufwachen fühlt Vadim sich sehr zufrieden. Er weiß erst gar nicht, warum. Nur langsam fällt ihm sein Traum wieder ein: Ein Hund war bei ihm. Es war der Hund des Hausmeisters, aber er trug Muschkas rotes Weihnachtstuch. Und daran hing ein goldener Stern.

Vadim springt aus dem Bett. Etwas rutscht von seiner Bettdecke und fällt auf den kalten Fußboden. Er bückt sich, um es aufzuheben. Es ist ein Stern, ein kleiner goldener Stern, genau wie der in seinem Traum!

Den ganzen Tag hält Vadim Ausschau nach dem Hausmeister und seinem Hund. Endlich entdeckt er ihn. Der Hund trägt sein altes Lederhalsband.

„Ich habe wirklich nur geträumt“, sagt er zu sich selbst. Aber in seiner Hosentasche steckt der Goldstern und der fühlt sich ganz echt an. Hatte er doch Besuch von Muschka?

Plötzlich muss Vadim breit grinsen. Ja, natürlich! Muschka war bei ihm, heute Nacht! Sie hat ihm sogar ein Geschenk mitgebracht, einen Stern! Wie Muschka das gemacht hat, ist doch egal, denkt Vadim. Vielleicht war es ein Wunder. Und an dieses Wunder will er glauben, denn dann tut das Alleinsein ?nicht so weh!

„Krah!“, macht es auf einem Baum vor Vadims Schule. „Ich sag‘s doch, Stern: Kinder glauben an das Weihnachtenswunder!“

„Ja, im Traum“, wendet der Stern ein und seufzt.

„Im Herzen, du Strahlemann!“, antwortet der Vogel.

Da bleibt der Stern still.

Alleinsein

Vadim ist für viele Wochen nicht bei seiner Familie, weil er im Internat wohnt. Dann vermisst er seine Eltern und seine Geschwister und fühlt sich allein. Dieses Gefühl ist nicht schön, fast so an wie ein leerer Magen. Dann hat man ein Loch in der Seele, da wo Mama oder Papa rein gehören.

Allein sein ist ja eigentlich nicht schlimm. Manchmal bist du doch auch gerne allein. Zum Beispiel, wenn du in Ruhe eine CD hören willst oder irgendetwas spielen, bei dem dich keiner stören soll. Dann willst du nicht, dass jemand kommt und sagt: „Räum mal erst dein Zimmer auf“ oder „Kann ich mitspielen?“ Manchmal will man einfach ungestört sein und seine Ruhe haben. Allein sein eben.

Aber manchmal tut allein sein eben weh. Kennst du das Gefühl auch, wenn allein sein weh tut? Was hat dir dann eigentlich gefehlt?

Ich denke, allein sein tut dann weh, wenn wir ganz dringend jemanden brauchen, der sagt: Ich mag dich. Dann erinnern wir uns an die Menschen, die uns mal gesagt haben: Ich mag dich. Und dann sind wir traurig, weil diese Menschen gerade nicht da sind.

Aber eigentlich stimmt das doch gar nicht. Die Menschen sind doch trotzdem noch da. Eben nur nicht in der Nähe. Denn auch, wenn Mama und Papa, die Geschwister oder Freunde oder der Lieblingshund nicht bei uns sind, dann sind sie doch einfach nur irgendwo anders. Und da, wo sie sind, da mögen sie uns immer noch. Ganz bestimmt. Sie können es uns dann bloß gerade nicht sagen.

Und dann ist es doch vollkommen in Ordnung, wenn wir an sie denken oder von ihnen träumen und uns vorstellen, wie sie sagen: Ich mag dich. Denn auch, wenn diese Menschen gerade nicht in unserer Nähe sind, sie mögen uns doch immer noch. Oder?