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« 23. Dezember »

Am Gartenzaun

Mama wuschelt Lea kurz über den Kopf, dann geht sie weiter putzen.

Lea läuft in den Garten hinaus. Sie wird den Schlüssel finden, den Baumschmuck selber vom Dachboden holen und alles alleine schmücken! Doch die Schneedecke im dämmerungsdunklen Garten ist unberührt, vom Schlüssel keine Spur.

„Huhu!“ Eine Nachbarin steht am Zaun. Sie trägt einen ziemlich komischen Hut, knallrot mit weißem Fellrand und oben drauf ein Goldstern.

Freust ?du dich auf Weihnachten, meine Kleine?“, fragt die Nachbarin.

„Naja“, meint Lea.

„Na, was ist denn?“, fragt die Nachbarin weiter. Sie lächelt so nett, dass Lea ihr alles erzählt.

Die Frau nimmt ihren komischen Hut ab und fummelt an dem Stern herum. Schnell ist der Stern ab und die Frau hält ihn Lea hin. Sie sagt: „Hier, für euren Weihnachtsbaum. Nimm ruhig! Ich konnte das Ding sowieso nie ausstehen.“ Und sie setzt den Hut wieder auf, diesmal verkehrt herum. Das macht ihn auch nicht schöner.

Lea betrachtet den Stern. Er funkelt längst nicht so schön wie die Kette der Frau, an der ebenfalls ein Stern glitzert. Aber er ist okay.

„Danke“, sagt Lea. Dieses Jahr gibt es Weihnachten also nur einen Stern am Baum. Und wer weiß, ob Mama noch Lust hat, das richtige Essen zu kochen, und ob Papa zur richtigen Uhrzeit mit in die Kirche kommt.

„Krah!“, macht es hinter ihr. Ein komischer Vogel flattert aus einem Baum auf. Ein einzelner Stern steht am Himmel. Lea geht grübelnd ins Haus.

Freust

Was meinst du? Was ist Freude?
• Freude ist, wenn man lachen muss!
• Freude ist, wenn man etwas Schönes sieht!
• Oder, wenn man sich auf etwas freut, das man noch nicht sieht, das aber kommt und wo man weiß: Das wird schön.

Genau! Freude ist, wenn etwas Schönes kommt. Also Geburtstag oder Weihnachten – dann nennt man das Vor-Freude.
Oder, wenn das Schöne schon da ist: Das neue Fahrrad oder die leckere Obsttorte am Sonntagnachmittag.

Sieht aber nicht so aus, als ob das neue Fahrrad oder die Obsttorte die Freude für dich mitbringen. So wie Geburtstag und Weihnachten ja auch nicht automatisch Vor-Freude vor sich her schicken.

Denn als Lea in unserer Geschichte von der Frau am Zaun gefragt wird, ob sie sich auf Weihnachten freut, antwortet sie: „Na ja.“ – Also, nach Vor-Freude hört sich das nicht an, oder?

Das ist doch ein wichtiger Gedanke: Die Sachen bringen die Freude nicht mit. Da muss noch mehr sein, damit ich mich freuen kann. Was mag das sein?

Ich denke, freuen kann man sich nur, wenn man Vertrauen hat. Oh weh. Schon wieder so ein Wort, wo man nicht weiß, was das heißen soll. Also, ich sag jetzt einfach mal: Vertrauen ist, wenn man keine Angst hat, weil man ganz sicher weiß, dass alles gut und schön ist und auch gut und schön sein wird. Das ist Vertrauen.

Und um mich wirklich freuen zu können, brauche ich nicht nur schöne Geschenke und tolle Feste sondern auch das Vertrauen, dass mir nichts Schlechtes passieren wird.

Und weißt du, was ich glaube: Man kann sich sogar ohne Geschenke und Feste freuen. Man kann sich auch einfach nur freuen, weil man Vertrauen hat, dass einem nichts Schlechtes passieren wird.

Also, ich finde: Freude ist eigentlich das Gefühl, das sagt: Ich bin sicher, mir kann nichts passieren und darum macht das Leben Spaß! Also Freude ist wie morgens aufwachen und die Sonne scheint quer über den ganzen Himmel und ich darf raus in den Garten und so lange ich will mit anderen Kindern in der Sonne spielen. Wer braucht da noch Geschenke, um sich zu freuen?