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« 5. Dezember »

Äthiopien

„Krah“, krächzt der Vogel. „Rahel ahnt, dass Weihnachten voller Wunder ist. Dass Jesus bei ihr ist, so wie ein allerbester Freund.“

„Na gut.“ Der Stern leuchtet kurz auf. „Aber vielleicht ist sie die einzige auf der Welt!“

„So ein Quatsch. Krah! Komm mit, ich zeig Dir, wo es noch mehr Weihnachten zu entdecken gibt.“ Der Vogel flattert nach Süden und der Stern folgt ihm über Wüsten und Berge und Meere bis zu einer großen Stadt in Äthiopien?, in Afrika.

Die Sonne geht auf. Der Vogel setzt sich in eine Baumkrone, streicht den schiefen Flügel glatt und verschnauft.

Im Schatten des Baumes sind Leute. Sie haben Stühle dabei, aber sie sitzen nicht darauf. Sie hocken auf umgedrehten Eimern. Auf den Stühlen sitzen andere Leute und halten den Eimerhockern die Füße hin.

„Schuhputzer“, erklärt der Vogel, der wirklich schon Sachen gesehen hat, die glaubt ihr gar nicht.

Auch Yohanes putzt Schuhe. Damit verdient er Geld für Süßigkeiten oder Geschenke für seine großen Brüder, die zur Uni gehen. Das will er später auch! Yohanes hat einen Klappstuhl, Bürsten, Lappen und ein Schild. Darauf hat er geschrieben: Ich lasse Ihre Schuhe glänzen. Ohne das Schild laufen die Kunden an ihm vorbei. Er ist einfach der Kleinste.

Doch heute kann er sein Schild nicht finden. Dabei wollte er doch seiner Mama ein Weihnachtsgeschenk kaufen. Zu Weihnachten gehören für ihn der Gottesdienst und das Festmahl aus Injera-Brot? mit Huhn. Und natürlich Geschenke.

Die Zeit vergeht. Bald muss Yohanes nach Hause und er hat noch keinen müden Birr? verdient!

Äthiopien

Der Vogel fliegt weiter in ein Land, das in Afrika zu finden ist. Wenn du Lust hast, kannst du wieder den Atlas mit den Landkarten holen. Am rechten Rand von Afrika findest du eine Spitze. In der Nähe davon liegt Äthiopien. Das Land ist riesengroß, dreimal so groß wie Deutschland. Und es leben viele, viele Menschen dort, die ganz viele unterschiedliche Sprachen sprechen. Manchmal verdienen die Eltern in einer Familie nur wenig Geld, dann gibt es nur Gemüse und Brot zum Sattessen. Das Geld reicht nicht für Süßigkeiten oder Geschenke. Deshalb putzt Yohannes Schuhe. Damit verdient er sich ein bisschen Geld. Es gibt viele Länder wie Äthiopien, wo schon Kinder arbeiten und Geld verdienen müssen.

Injera-Brot

Das Brot in Äthiopien heißt anders als bei uns und sieht auch ganz anders aus. Äthiopier wie Yohannes nennen es Injera. Es ist rund und ganz flach wie Pfannkuchen. Oft wird der Teig aus Mehl und Wasser in eine Pfanne gegossen und gebacken. Wenn das Brot dann etwas abgekühlt ist, kann man es in die Hand nehmen und Stücke abreißen. Mit dem Stückchen Brot kann man dann Hühnerfleisch mit Soße oder Gemüsebrei essen. Also ist Injera Brot und Besteck gleichzeitig.

Birr

Wenn Yohannes Geld für seine geputzten Schuhe bekommt, dann geben ihm die Leute keinen Euro sondern anderes Geld. Die Münzen heißen Birr und sehen auch ganz anders aus als unsere Euro-Münzen. Wenn wir heute für einen Euro eine Kugel Eis bekommen, dann muss Yohannes in Äthiopien 27 Birr für eine Kugel bezahlen.
Vielleicht warst du schon mal in einem Land, in dem es keine Euro-Münzen gibt. Im Urlaub mit der Familie zum Beispiel. In Dänemark bezahlen die Menschen mit Münzen, die Kronen heißen. Eine Kugel Eis in Dänemark kostet sieben Kronen.