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« 6. Dezember »

Schuhe und Geschenke

Die anderen Schuhputzer rufen den vorbei eilenden Menschen etwas zu und winken mit den Armen. Yohanes lächelt nur schüchtern. Trotzdem setzt sich endlich eine Frau auf seinen Stuhl. Yohanes wischt und poliert. Es sind ganz feine Schuhe aus blauem Leder. An der Schnalle blitzt etwas Goldenes.

„Das ist ja ein Stern“, sagt er.

„Gefällt er dir?“, fragt die Frau.

Yohanes nickt. Dann ist er fertig und die Frau gibt ihm einen Geldschein. Doch da fühlt er noch etwas in seiner Hand: ein kleiner Goldstern, nicht so wertvoll wie an den Schuhen vielleicht, aber hübsch. Ein Weihnachtsgeschenk für Mama!

Irgendwie gibt dieser kleine Stern Yohanes etwas Mut. Und nun wagt er es, zu rufen und zu winken wie seine Kollegen. Drei Paar Schuhe putzt er noch, dann geht er nach Hause.

Unterwegs sieht er die nette Frau noch einmal. Sie sitzt bei einem anderen Schuhputzer. Als der fertig ist, geht sie gleich zum nächsten.

Yohanes wundert sich. Was soll denn das? Macht sie sich lustig über die Schuhputzer?

Dann denkt er an den Stern in seiner Tasche und an Weihnachten und daran, dass Jesus vielen geholfen hat. Wollte auch die Frau ihm helfen?

Der Stern schwebt langsam davon. „Irgendwie kam mir das bekannt vor“, sagt er. „Schuhe und Geschenke …“

„Du denkst an Nikolaus?“, krächzt der Vogel. „Er hat fest an Jesus geglaubt. Um Leuten zu helfen, hat er Geschenke in Schuhen und Strümpfen versteckt. Krah! Der macht noch nicht mal vor Käsefüßen und Stinkesocken halt.“

Der Stern sprüht still ein paar Funken.

Nikolaus

Wie gut, der Stern kennt auch den Nikolaus! Wir auch, denn er kommt doch am Nikolaustag mit weißem Bart und rotem Mantel und hat Geschenke dabei!
Den „heiligen Nikolaus“ gab es wirklich: Er hat vor über 1.600 Jahren in der Hafenstadt Myra am Mittelmeer gelebt – dort, wo heute die Türkei ist. Nikolaus war der Bischof von Myra. Das Wort Bischof bedeutet ungefähr so viel wie Hirte oder Beschützer. Als Bischof von Myra war Nikolaus der oberste Chef aller Christen in der Stadt. Er soll ein sehr reicher Mann gewesen sein. Der Nikolaus hat das Geld aber nicht für sich behalten, sondern es an die Armen und die Kinder verteilt.
Weil er in seinem Leben viel Gutes für die Menschen getan hat, wurde Nikolaus nach seinem Tod heilig gesprochen. Weil er an einem 6. Dezember gestorben sein soll, ist dieser Tag bis heute in vielen Ländern ein besonderer Erinnerungstag. Vielleicht ist ja auch die Gestalt des Nikolaus mit seinem Bischofsstab und dem roten Mantel der Grund dafür, dass der Weihnachtsmann oft wie ein Bischof in festlicher Amtskleidung aussieht.