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« 9. Dezember »

Südafrika

Der Vogel flattert weiter nach Süden. Der Stern folgt ihm direkt nach Südafrika ?. In der Abenddämmerung geht er über einem blauen Ozean auf. Wellen rauschen an den Strand. Kinder und Erwachsene schwimmen, sie spielen oder surfen, gehen spazieren oder essen Eis. Dahinter ragen die Häuser einer Großstadt in den dämmerungsblauen Himmel.

„Ich scheine wahnsinnig gern über dem Meer“, sagt der Stern und seufzt. „Da sehen mich die Menschen nämlich immer. Hach, das Meer, und hach, die Sterne!, sagen sie und seufzen ganz entzückt. Dass Jesus geboren wurde und bei ihnen sein will – darüber seufzen sie nicht.“

„Krah“, krächzt der Vogel nur, denn er hat schon Sachen gesehen, die glaubt ihr gar nicht. Dann zeigt er dem Stern, wie finster es ganz in der Nähe von dem wundervollen Strand sein kann.

Düstere Hochhäuser, schmutzige Straßen, in einer engen Gasse sitzen Kinder.

„Die Kinder gehören nach Hause!“, stellt der Stern fest. „Es wird schon dunkel.“ Er sinkt etwas tiefer und beleuchtet ihre Gesichter. Nein, merkt er plötzlich, diese Kinder gehen nicht nach Hause. Sie haben nämlich keins.

Zwei Jungen, Ayanda und Tebogo, laufen durch die Straßen.

„Ich habe Hunger“, sagt Ayanda.

„Ich auch“, antwortet Tebogo. „Aber was soll’s! Immerhin haben wir heute schon was im Straßenkindercenter ? bekommen.“

Sie haben dort auch mit anderen Jungs gespielt. Sie haben geduscht und mit den Betreuern geredet. Die Nacht aber müssen die beiden ganz allein schaffen, ohne Bett, ohne Dach über dem Kopf, ohne Gutenachtkuss von Mama oder Papa.

Südafrika

Nun geht die Reise weiter und Stern und Vogel fliegen nach ganz unten, ans Ende von Afrika, also in den Süden. Und darum heißt das Land dort auch: Republik Südafrika. Wenn du willst, kannst du das Land wieder im Atlas suchen. Findest du leicht: Afrika ganz unten.

Südafrika ist ein großes und schönes Land, umgeben von Meer. Es gibt Wüsten, in denen wenig Pflanzen wachsen und dann wieder Gebiete mit unglaublich vielen Bäumen und Büschen, die wir gar nicht kennen. Und Tiere, die wir nur im Zoo beobachten können. Um sie zu schützen, werden Löwen, Elefanten, Nashorn, Leopard und viele andere Tiere in riesengroßen Schutzgebieten gehalten. Diese Gebiete heißen Nationalparks. Hier leben die Tiere frei und die Menschen dürfen nur im Auto auf bestimmten Wegen fahren.

Es gibt in Südafrika Menschen mit den verschiedensten Hautfarben: dunkelhäutige und hellhäutige Menschen, andere haben Ähnlichkeit mit Menschen aus Indien. Das gibt manchmal immer noch Probleme. Aber früher unterdrückten die weißen Menschen die dunkelhäutigen ganz schlimm. Sie nannten das „Apartheid“. Das heißt so viel wie: „Wir trennen schwarze und weiße Menschen. Auch wenn wir im gleichen Land leben, wollen wir nicht zusammen leben.“
So mussten die Kinder dort zum Beispiel verschiedene Schulen besuchen, entweder für Weiße oder für Schwarze und gemeinsam Fußball spielen durften sie auch nicht.

Aber diese Trennung von Menschen nach Hautfarben ist endlich abgeschafft. Das ist ja, als ob man rechte und linke Schuhe würde. Stell dir ein Gesetz vor, in dem steht: „Man darf nur rechte Schuhe anziehen oder linke Schuhe. Aber rechte und linke Schuhe gleichzeitig an einem Menschen sind verboten!“
Das wäre doch echt bescheuert!
Wenn der liebe Gott uns mit unterschiedlichen Füßen gemacht hat, dann gehören eben linke und rechte Füße zusammen! Und mit ganzen Menschen ist das doch genauso: Wenn der liebe Gott schwarze und weiße Menschen gemacht hat, dann gehören die eben auch zusammen.

Straßenkindercenter

In Südafrika gibt es Kinder, die Zuhause viel allein sind, weil keiner sich um sie kümmert. Es gibt kein Essen und keiner hilft, wenn es in der Schule nicht klappt. Manchmal liegt das daran, dass Vater und Mutter sehr krank gewesen und dann gestorben sind.
Wenn ein Kind in Deutschland niemanden mehr hat, dann gibt es das Jugendamt. Hier arbeiten Fachleute, die den Kindern helfen. In jeder Stadt in Deutschland gibt es solche Stellen, die für Kinder in Schwierigkeiten zuständig sind.

In Südafrika gibt es so ein Amt für Kinder leider nicht. Da geht man davon aus, dass Onkel und Tanten einspringen, wenn die Eltern die Kinder nicht versorgen können. Aber das funktioniert eben leider nicht überall.

Darum passiert es immer wieder, dass Kinder, um die sich niemand kümmert, allein auf der Straße leben. Zum Glück gibt es Häuser, in denen die Kinder willkommen sind. Sie können sich dort satt essen, vielleicht auch duschen und mit Betreuern reden. Das tut gut!

Diese Straßenkindercenter gibt es vor allem in großen Städten, wo viele Kinder gar kein Zuhause mehr haben so wie Tebogo und Ayanda.